Die Transplantation von Blutstammzellen ist die modernste und effektivste Behandlungsmethode vieler Blut-, Erb- und Krebskrankheiten, unter anderem chronischer Leukosen (chronisch lymphatische Leukämie) und Lymphome, einiger bösartigen Tumore, Anämien, Neuroblastome und schwerer Immunodefizite. Jedes Jahr sterben in Russland Tausende von Patienten, deren Leben durch eine Transplantation gerettet werden könnte. Viele dieser Patienten sind Kinder.
Bei der Blutstammzellentransplantation werden einige blutbildende Stammzellen aus dem Blut des Spenders herausgefiltert und dem Empfänger eingeführt. Es gibt 2 Arten der Transplantation:
Autologe (patienteneigene) Stammzellentransplantation - in bestimmten Fällen werden Blutstammzellen verwendet, die von dem Patienten selbst stammen.
Allogene Stammzellentransplantation - die Blutstammzellen werden von einem anderen Menschen entnommen und auf den Empfänger übertragen.
Statistische Ermittlungen belegen, dass nur 30% aller Patienten, für welche eine Knochenmarktransplantation indiziert ist, einen passenden verwandten Knochenmarkspender finden. Alle anderen Patienten sind auf die Suche nach einem "nichtverwandten" Spender angewiesen. Leider kann nicht jeder Mensch sein Knochenmark einem bestimmten Patienten spenden. Es müssen viele Parameter übereinstimmen, damit die Kompatibilität gewährleistet wird. Obwohl internationale Knochenmarkregister über 6 Mio. Daten potentieller Spender enthalten, werden nur für 80% der Patienten passende Spender gefunden. Der heutigen Entwicklungsstand der Knochenmarktransplantation erlaubt allerdings die Übertragung von Knochenmarkzellen, die nicht in allen Parametern übereinstimmen.
Viele Datenerhebungen haben gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, für einen Patienten einen passenden Knochenmarkspender zu finden, in der eigenen ethnischen Gruppe am größten ist. Es macht deswegen Sinn ein russisches Knochenmarkregister zu etablieren, zumal die Dienstleistungen der internationalen Register sehr teuer sind. Die Suche nach potentiellen Spendern und deren Aktivierung
(Knochenmarkentnahme) kosten pro Patient etwa 15 000 Euro, weitere 2000 Euro kommen für den Transport des Knochenmarks nach Russland hinzu.
In Russland gibt es zur Zeit Bestrebungen, ein einheitliches Datenbanksystem der Knochenmarkspender aufzubauen. Ein Knochenmarkregister wird vom Knochenmarktransplantationszentrum der Staatlichen Medizinischen Universität in St. Petersburg aufgebaut. Die Universität veranstaltet regelmäßig Knochenmarkspende-Aktionen, an denen sich viele Ärzte, Studenten, wissenschaftliche Mitarbeiter und Mitbürger der Stadt St. Petersburg beteiligen. Dank dieser Aktionen haben sich bereits über 1100 potentielle Knochenmarkspender registriert. Allen Teilnehmern sind wir herzlichst dankbar!
Eine Eintragung in das Knochenmarkregister in St. Petersburg ist relativ einfach. Bei der Registrierung werden dem potentiellen Spender etwa 5 ml Blut für die immunologische Typisierung abgenommen. Danach wird mit ihm eine Vereinbarung abgeschlossen. Die Daten werden anonym in das Register eingetragen. Wenn die Daten eines bestimmten potentiellen Spenders für eine Knochenmarktransplantation als potentiell geeignet eingestuft werden, treten wir mit ihm in Kontakt und fragen, ob er tatsächlich Spender sein möchte. Erst dann muss er sich entscheiden, ob er sein Knochenmark spenden möchte.
Co-Organisatoren des russischen Knochenmarkregisters sind das Knochenmarktransplantationszentrum der Staatlichen Medizinischen Universität in St. Petersburg und die Stefan-Morsch-Stiftung aus Deutschland. Die russische Datenbank ist an ein internationales System verschiedener Register angeschlossen und ist für eine weltweite Verwendung geeignet.
In diesem Zusammenhang möchten wir Sie darauf hinweisen, dass selbstverständlich auch in Deutschland eine Eintragung in eines der deutschen Knochenmarkspenderregister möglich ist. Es gibt sowohl bundesweite als auch zahlreiche regional aktive Spenderdateien. Genauere Informationen und Kontaktdaten dazu bekommen Sie bei dem Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschland.
Transplantationsklinikum
Am 22. Juni 2000 wurde eine russisch-deutsche Transplantationsklinik in St. Petersburg eröffnet. Die Klinik entspricht allen internationalen Anforderungen und ist auf die autogene und allogene Stammzellentransplantation spezialisiert. In der Klinik werden Patienten aus der Nordwestregion und aus ganz Russland behandelt. An der Gründung der Klinik sind das Knochenmarktransplantationszentrum und das Europäische Institut für Forschung und Entwicklung von Transplantationsstrategien (EUFETS) beteiligt.