"Ich bin ein kleiner Junge und bin drei Jahre alt. Ich heiße Vova! Ich lebe in der Stadt
Khabarovsk. Ich weiß jetzt, was Schmerzen sind, was eine Operation ist, was ein Katheter
ist. Ich weiß, wie es ist, nicht herumrennen zu dürfen und wie schlimm es ist, wenn meine
Mama weint und ich sie nicht trösten kann. Aber am meisten Angst habe ich vor den Menschen
in den grünen Gewändern (Reanimatologen). Wenn sie auftauchen, ist das ein Zeichen dafür,
dass etwas Schlimmes passiert ist.
Seit über einem Jahr lebe ich im Krankenhaus. Nach Hause komme ich nur manchmal zu Gast,
um meinen Papa, mein geliebtes Schwesterchen Mascha und meinen Kater Zhora zu besuchen.
Ich liebe es, zu Hause zu sein, in unserem Hof spazierenzugehen, zu schaukeln
und im Sandkasten zu spielen. Ich liebe es, in den Park zu gehen oder mit meinem Opa
angeln zu fahren. Ich mag Eis und Schokolade, aber ich darf sie nicht essen, denn sonst
würde mir mein Bauch weh tun. Zu Hause ist es schön, hier geht es immer fröhlich zu,
alle lächeln und lachen. Im Krankenhaus bin ich traurig und ich möchte am liebsten weinen,
ich mag es nicht, in einem Krankenzimmer zu leben. Aber mittlerweile habe ich auch hier
neue Freunde gefunden! Sie spielen gern mit mir und warten darauf, dass ich von zu Hause
wiederkomme.
Man kann es sich gar nicht vorstellen, dass noch vor einem Jahr mein Leben ganz anders
aussah. Und jetzt weiß ich so viel mehr. Ich weiß, dass mich sehr viele Leute gerettet
haben, indem sie ihr Blut für mich gespendet haben. Sie haben mir dadurch ein Stück ihrer
Lebenskraft abgegeben und trotz allem ging es mir immer besser. Dieses Jahr war für mich
sehr schwer, aber ich habe es dennoch ausgehalten. Mein Bäuchlein ist kleiner geworden, es
fällt mir leichter, herumzutollen und zu spielen. Ich bin gewachsen und sehr viel
erwachsener geworden. Ich liebe meine Ärztin, denn sie gibt mir immer ein Küsschen und
freut sich, mich zu sehen. Sie sagt, dass ich ein braver Junge bin, dass ich jetzt gesund
werde, aber dass ich unbedingt noch eine Operation überstehen muss.
Ich liebe das Leben. Es gibt so viele Dinge in meinem Leben, die ich sehr, sehr mag! Und
es gibt ganz vieles, das ich noch nicht weiß, aber das ich so sehr erfahren will!"
Das sind die Gedanken und Gefühle, die mein kleiner Sohn mit sich trägt. Er lebt trotz
allem. Im Jahr 2005 wurde völlig überraschend die schreckliche Diagnose gestellt:
Neuroblastom des Retroperitonealraumes, dritter Schweregrad der zweiten klinischen Gruppe.
Das Kind wurde gesund und kräftig geboren, wie die Ärzte behaupteten. Es wog stolze 4 kg
und war 58 cm groß. Alles war gut, der Kleine wuchs und wir freuten uns über jeden Tag,
der Junge war fast nie krank. Mit etwa einem Jahr erkrankten wir zum ersten Mal an einem
grippalen Infekt, der durch Herpes an der Mundschleimhaut erschwert wurde. Daraus
entwickelte sich schon bald eine Stomatitis (Entzündung der Mundschleimhaut). Seitdem
verfolgte uns der Herpes mit monatlichen Ausbrüchen, begleitet von Erbrechen und
unkontrollierbarem Fieber. Die einzige Behandlungsmethode gegen Herpes waren natürlich
Aciclovir und verschiedene Mittel, die das
Immunsystem stimulieren.
Letztendlich, als sich Vladimirs Bauch stark aufblähte, empfahl uns der Notarzt
eindringlich, eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes durchzuführen. Am nächsten Tag
fand die Untersuchung statt, die Leiterin der Polyklinik schickte uns dringend in das
Infektionskrankenhaus. Es wurde eine ganze Reihe verschiedenster Diagnosen gestellt,
sehr viele verschiedene Untersuchungen durchgeführt, unter anderem jeden zweiten Tag eine
Ultraschalluntersuchung. Nach zwei Wochen Krankenhausbehandlung und der Einnahme riesiger
Mengen an zahlreichen Medikamenten (Ciprofloxacin, Aktivkohle, Smectit) wurden wir nach
Hause entlassen. Die Diagnose: Schigellose (Bakterienruhr), Infektion mit Enterobakterien
und Megacolon (Erweiterung des Dickdarms durch chronische Verstopfung).
Empfohlen wurde eine strenge Diät für ein halbes Jahr, danach eine erneute
Ultraschalluntersuchung. Außerdem wurde dringend eine Impfung gegen Masern und Mumps
empfohlen. Ausschließlich unserer Intuition haben wir es zu verdanken, dass wir uns
entschieden haben, vorher noch einen Chirurgen zur Darmuntersuchung zu konsultieren.
Bei der Erstuntersuchung wurde eine Neubildung im Peritoneum (Bauchraum) entdeckt, eine
weitere Ultraschalluntersuchung wurde durchgeführt und die endgültige Diagnose bestätigt -
Neuroblastom! Daraufhin hat uns der Arzt nachdrücklich gesagt: "Hätten Sie diese Impfungen
machen lassen, wäre Ihr Kind jetzt schon tot!"
Und so wurden wir in das onkohämatologische Kinderkrankenhaus der Stadt Khabarovsk
eingewiesen. Bis zuletzt hofften wir, die Diagnose sei fehlerhaft. Das Ergebnis der
Biopsie jedoch hat unsere Hoffnung zerstört. Die Diagnose wurde bestätigt.
Der Chirurg verkündete, der Tumor sei inoperabel, wir sollten zu Gott beten und auf ein
Wunder hoffen.
Innerhalb von 10 Monaten wurden 8 Chemotherapieblöcke durchgeführt. Jedem Block folgte
eine langwierige Erholungsphase, denn gerade in dieser Phase ist das Risiko
unvorhersehbarer schwerer Komplikationen am größten.
Aufgrund der ständigen Angst
schien es uns, als sei unser Leben stehengeblieben, während das mütterliche Herz wartete
und mit Schauder jedes Wort, jede Geste, jeden Blick des behandelnden Arztes wahrnahm mit
der Hoffnung, die heiß ersehnten Worte zu hören: "Es geht uns besser!!!"
Aber der Tumor ging nur langsam zurück. Erst nach 8 Monaten der schwerwiegenden
Behandlung wurden erste Erfolge sichtbar. Es wurden zusätzlich 20 Sitzungen der
Strahlentherapie durchgeführt, jedes Mal unter Vollnarkose.
Am 25. August 2006 waren alle Behandlungsmethoden erschöpft. Ein Resttumor ist verblieben,
der entfernt werden muss. Geschieht dies nicht, waren alle unsere Bemühungen umsonst. Es
ist uns klar, dass nach einer Operation weitere Chemotherapien auf uns warten, aber ohne
die Operation hat Vladimir keine Zukunft. Deshalb setzten wir uns mit deutschen Onkologen
in Verbindung, die bereit sind, unseren Jungen zu operieren. Doch diese Operation ist
teuer. Sehr teuer. Wir müssen dieses Geld finden.
Die Operation kostet 27 000 Euro. Wir haben keine andere Wahl, als auf gutherzige
Menschen zu hoffen, denen unser Leid nicht gleichgültig ist. Es ist ein hoher Betrag.
So viel kostet das Leben meines Sohnes.
Es ist meine Pflicht, meine mütterliche Pflicht, alles dafür zu tun, um mein Kind zu
retten. Ich lasse den Gedanken nicht zu, dass alles, was wir hinter uns haben, umsonst war.
Ich glaube an ein Wunder. Ich glaube daran, dass mein Kind ein vollwertiges und
glückliches Leben führen wird. Vladimir hat sich das Recht auf Leben "erlitten".
Alina Cherpakova (Mutter)
+7(924)214-6154 (Mobiltelefon der Mutter)
+7(4212)513-054 (Telefonnummer der behandelnden
Ärztin Ljudmila Lavrinenko)
+7(4212)511-285 (Faxnummer des Chefarztes)
Ergänzung vom 09.12.06.
Vladimir wurde am 15. November in Tübingen operiert. Die Operation ist erfolgreich verlaufen.
Der Junge ist wieder quicklebendig und aufgeweckt, er spielt viel und fühlt sich gut! Seine
Mutter Alina ist überglücklich und strahlt die ganze Zeit.
Allerdings wurde im Retroperitonealraum eine seröse Flüssigkeit festgestellt und eine Drainage
angelegt. Da jedoch der Abfluss der Flüssigkeit schon lange Zeit unvermindert andauert, soll
der Junge erneut operiert werden, um den Spalt zu schließen, aus dem die Lymphflüssigkeit
entweicht. Voraussichtlich wird diese Operation am 12. Dezember stattfinden.
Ergänzung vom 12.02.07.
Vladimir wurde aus dem Krankenhaus entlassen und ist nach Hause zurückgekehrt. Dem Jungen
geht es sehr gut.
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